| Beim Namen Wirtgen handelt es
sich um einen Familiennnamen aus einer Berufsbezeichnung bzw.
aus einem sogenannten Übernamen.
Familiennamen haben sich in einem langen Entwicklungsprozess
seit dem 12./13. Jahrhundert herausgebildet. Heute lassen
sich die Familiennamen in fünf verschiedene Gruppen
einteilen. So können sie ursprünglich auf Rufnamen,
Herkunftsbezeichnungen zu Ortsnamen, Wohnstättenbezeichnungen,
Übernamen und Berufsbezeichnungen zurückgehen.
Der Name "Wirtgen" lässt sich auf das alt-
bzw. mittelhochdeutsche wirt in der Bedeutung "Gastgeber,
Hausherr, Gastwirt" bzw. "Ehemann, Haus-, Burg-,
Landes-, Schutzherr, Bewirter, Gastfreund" mit angefügtem
Diminutivsuffix -gen zurückführen. Dabei handelt
es sich bei Wirt(h)gen um eine typisch mitteldeutsche Namenform,
d.h. sie war ursprünglich im mitteldeutschen Raum bis
zum Niederrhein (hier neben den Namenformen Wir(t)z, Wirths
auch Wirthgen) verbreitet.
Da für Wirt (älter Wirth) verschiedene Bedeutungen
bzw. Bedeutungsvarianten belegt sind (s.o.), kommen für
den Familiennamen Wirt(h)gen als Ursprung einerseits die
Berufsbezeichnung des Wirtes als "Inhaber eines Wirtshauses,
Gastwirt, bzw. Gasthalter" (in lateinischen Quellen
auch Cauponis zu lateinisch caupo "Wirt, Schankwirt
und Brauer") und andererseits ein Übername für
einen "guten Gastgeber, Gastfreund, Hausherren, Ehemann
u.ä." in Frage.
Diminutiv- oder auch Kose- und Verkleinerungssuffixe findet
man sehr häufig in Familiennamen. Diese dienten u.a.
zur Unterscheidung von Senior und Junior (so Wirt(h) der
alte Wirt und Wirt(h)gen, Wirt(h)chen, Wirtle, Wirtel(e),
Wirtken usw. für den jungen, kleinen Wirt bzw. den
Sohn des Wirtes), der Varation eines Familiennamen in vertraulicher,
familiärer, scherzhafter oder auch herabsetzender Absicht
und zur Bildung eines namens aus einem Appellativum (hier
Berufsbezeichnung des Wirtes oder auch die Bezeichnung für
den Ehemann, Hausherren u.ä.).
Die Endung lässt in der Regel auch Rückschlüsse
über die Herkunft des Namens zu. So ist in Norddeutschland
vor allem das Suffix -(c)k(e), in Süd- und Südwestdeutschland
vor allem -l(e) (vgl. die Namensformen Würth(e)le,
Wirth(e)le, Wirtel(e), Wirtle, Wirtli(n) u.ä.) und
in Mitteldeutschland -g(en), -ch(en) belegt.
In alten Quellen erscheint der Name Wirt(h)gen noch in
den Schreibungen Wirtchen und Wirtken (niederdeutsch auch
Wertken, Wertchen).
Erste Belege für den Familiennamen Wertgen fanden
wir im 14./15. Jahrhundert:
... im Stadtbuch Halle 1450 (..."an Nickel Wertchens
huse (Bürger von Halle))
....im Depositum der Stadt Mügeln 1453( ein Wirtchyn
....1383 in Liegnitz Hs. Wirtchen = Hannus Wirtchyn
....1530 im Landsteuerregister Jocoff Wertchin in Dahlen
....1561 Bendix Wirtchen in Großenhain
....1705 Johann Georg Wirthgen - Pfarrer - aus Laubegast
(Sachsen) Sohn des Andreas Würtigen (=Wirtgen), Fehrmeister
getauft am 25. August 1705 in der Himmelfahrtskirche Dresden-Leuben
(unter dem Namen Hanß George - es gab keine Rechtschreibregeln!)
aus "Gesellschaft für deutsche Sprache"
zum Familiennnamen Wirtgen 4.3.99
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